Ohne Heißhunger – Attacken zum persönlichen Wohlfühlgewicht


Wenn ich heute in den Spiegel schaue, kann ich meinen Anblick wieder ertragen. An manchen Tagen finde ich mich sogar wieder ganz hübsch. Das war aber nicht immer so.

Noch vor wenigen Jahren wog ich 147 Kilogramm und war sehr unglücklich. Ja, eigentlich hatte ich mit dem Leben schon abgeschlossen.

Wenn ich ins Kino wollte, mußte ich darauf achten, einen Platz direkt am Gang zu bekommen, im Flugzeug bezahlte ich stets zwei Plätze und konnte das Tischchen vor meinem Sitz nicht herunterklappen, ich schämte mich die ganze Zeit, denn die höhnischen Blicken der Mitreisenden entgingen mir natürlich nicht. Auf der Straße starrten die Leute hinter mir her und schüttelten mißbilligend ihre Köpfe. Irgendwann hielt ich diesem Leidensdruck nicht mehr stand und ich verbrachte Tag und Nacht nur noch in meinem Bett und auf dem Sofa. Das Telefon und mein Computer waren meine Wege nach draußen.

Wagten Freunde oder andere mir nahestehende Personen, etwas zu meinem Aussehen zu sagen, verschloß ich mich und mit der Zeit verzichtete ich ganz auf ihre Gesellschaft. So verlor ich Schritt für Schritt jeden Kontakt zur Außenwelt.

Das Leben, welches ich doch früher so genossen hatte, floß an mir vorüber und ich konnte nur noch als Zuschauer, vor dem Fernsehgerät daran teilhaben. Meine Freunde waren im Laufe der Jahre, einer nach dem Anderen verlorengegangen. Ich kann es ihnen bis heute nicht verübeln, denn ich hatte mich der Welt verschlossen.

Heute trage ich Konfektionsgröße 46, noch vor zwei Jahren mußte ich mich unter zeltartigen Gewändern in Größe 58/60 verstecken. Allmählich kehren auch meine Lebensfreude und meine alte Energie wieder zurück. Die intensive Auseinandersetzung mit meinen Problemen, hat meine Einstellung zu vielen Dingen nachhaltig verändert und verbessert. Ich möchte anderen Betroffenen helfen und deshalb erzähle ich Ihnen hier meine Geschichte.

Mein Übergewicht ist nicht genetisch bedingt, auch hatte ich keine Drüsenprobleme, leider kann ich mich hinter keiner dieser üblichen und für jeden natürlich leicht zu duchschauenden Ausreden verstecken. Glauben Sie mir, ich habe ständig welche gesucht oder konstruiert.

Ich war immer ein normalgewichtiges, sportliches und eher selbstbewußtes Kind. Immer in Bewegung und von vielen Freunden umgeben, mit denen ich meine Heimatstadt unsicher machte. An Ideenreichtum für Streiche fehlte es mir nicht und das ist auch bis heute so geblieben. Mir gefallen auch heute noch die ausgefallenen, vielleicht sogar verboten Dinge am besten. Als Aktionskünstlerin kann ich mich also heute wieder so richtig austoben. Mein Leitsatz lautete schon in der Kindheit:

Ich kann – weil ich will

Ich wurde sehr liberal erzogen und machte keine Unterschiede zwischen dick und dünn, reich und arm, groß und klein und was es sonst noch so alles gibt. Ich verließ mich auf meinen kindlichen Instinkt.

Alles änderte sich schlagartig als ich in die Pubertät kam. Ich schämte mich als ich merkte, daß ich langsam zur Frau wurde. Der Sport machte mir keinen Spaß mehr und ich erfand immer neue Ausreden, um nicht daran teilnehmen zu müssen. Ich verbrachte von nun an meine Nachmittage nicht mehr im Schwimmbad, oder auf meinem Fahrrad, sondern legte mich ins Bett und las. Zunächst fiel dies niemandem auf und meine Eltern waren stolz auf ihre große, vernünftige Tochter, die lieber las und schon soooo viel wußte.

Ich isolierte mich immer mehr, verlor nach und nach alle Freundinnen und galt auch in der Schule bald als Streberin. Mir war es recht, ließen sie mich nur in Ruhe und zwangen mich nicht aus meinem selbst erwählten Gefängnis.

Mit vierzehn war ich einsachtundsechzig und wog zweiundsechzig Kilo. Ich fand mich häßlich und dick und nahm alle Abführmittel und Appetitzügler, die ich mir für mein kleines Taschengeld kaufen konnte. Niemand merkte was mit mir los war.

Das ging weiter bis ich ungefähr achtundzwanzig Jahre alt war und zusammenbrach, kurz nachdem meine jüngste Schwester, die mich ein paar Monate nicht gesehen hatte, weil sie in einer anderen Stadt studierte, auf der Straße an mir vorbeigegangen war, ohne mich zu erkennen. Ich war stark abgemagert und sah nicht mehr aus wie eine junge Frau in ihren schönsten Jahren. Ich war jedoch überzeugt davon zu dick zu sein und ernährte mich lediglich von 4 Butterkeksen täglich und schwarzem Kaffee. Dabei dachte ich die meiste Zeit an Schokolade und Braten mit Soße und Kartoffeln.

Im Krankenhaus wurde ich untersucht und war der festen Überzeugung sterben zu müssen. Mein Mann saß tagelang weinend an meinem Bett und wir hatten begonnen Abschied zu nehmen.

Dann kam die Diagnose des Arztes, meine ständigen Diäten, der Tablettenmißbrauch und mein aufreibendes Leben als Künstlerin hatten mich krank gemacht. Die Diagnose des Arztes lautete, Klimakterium praecox. Mit anderen Worten, ich war schon in den Wechseljahren, konnte keine Kinder mehr bekommen und mir schien es, als wäre mein Leben eigentlich schon vorbei.

Dies alles hatte ich mir im Laufe meines bisherigen Lebens zugefügt, nur um schlank und schön zu sein. Meine Fehler waren mir zum damaligen Zeitpunkt aber immer noch nicht bewußt, doch nach meinem Krankenhausaufenthalt hörte ich auf zu hungern. Alles war mir plötzlich egal geworden, genauso exzessiv wie ich gehungert hatte, aß ich jetzt ohne jedes natürliche Maß.

Ich verfiel in eine jahrelange Depression, hörte einfach auf zu existieren und wurde von Tag zu Tag dicker, bis ich 1995 mein Spitzengewicht von 147 Kilogramm erreichte und eines Tages nicht mehr aus dem Bett herauskam.

Der herbeigerufene Notarzt sagte damals, wenn ich nicht abnehmen würde, säße ich in absehbarer Zeit im Rollstuhl. Nach dem ersten Schock begab ich mich in ärztliche Behandlung und konnte auch schon nach vier Monaten eine stationäre Therapie antreten.

Auf dem Weg in die Klinik, hielt ich bei einem Schnellimbiß und kaufte mir für ca. dreißig Mark Speisen, die ich auf der zweistündigen Fahrt aufaß. Ich fraß alles in mich hinein, dabei weinte ich vor lauter Verzweiflung, weil ich nicht in der Lage war die Freßberge einfach fortzuwerfen. Ich ekelte mich vor meiner unstillbaren Gier.

In der Klinik erlebte ich eine ganze Reihe unerwarteter Demütigungen. Ich mußte von mir erzählen und mich für die Untersuchungen nackt ausziehen. Ich schämte mich wegen meiner heruntergekommenen Figur, aber noch mehr als mir langsam bewußt wurde, in welch desolatem Zustand sich meine Psyche befand.

Das Schlimmste waren jedoch für mich die Therapeuten, allesamt schlank und ich wette, sie alle kannten Eßstörungen nur aus Lehrbüchern. Wie konnte mir jemand helfen, der das Problem nur theoretisch kannte. Die Ratschläge waren dementsprechend entmutigend und für mich nur schwer zu leben. In meinem Kopf meldete sich aber damals mein alter Leitsatz

Ich kann – weil ich will

Ganz leise, zuerst fast unmerklich hatte er sich wieder eingeschlichen, aber zunächst wollte ich ihn nicht hören.

Ich sperrte mich in meinem Zimmer ein, traute mich nicht in den Speisesaal und nahm mir vor, nie mehr etwas zu essen und dann an Unterernährung zu sterben.

Die Mitpatienten, die ja alle Leidensgenossen waren und genau wußten, was in den Neuzugängen vorging, holten mich aber mit liebevoller Hartnäckigkeit zuerst aus meinem Zimmer und später Stück für Stück aus meiner Isolation heraus.

Ich war für sie sicher eine Herausforderung, aber schon nach zwei Wochen gehörte ich dazu und fühlte mich geborgen in diesem Kreis von Gleichgesinnten.

Der Klinikalltag bestand aus Therapiesitzungen, welche ich aus tiefster Seele haßte weil mir immer klarer wurde, was mit mir los war und wie schwer es werden würde, daran etwas zu ändern. Essen, es war furchtbar meinen Leidensgenossen beim Essen zuzuschauen, die Einen stocherten freudlos in ihrem Salat herum, während die Dicken ihre Portionen in Sekundenschnelle in sich und gierig an mehr dachten um ihre Sucht zu befriedigen, sowie Sport. Da mir jede Bewegung weh tat, hoffte ich mich darum herumdrücken zu können, aber alle meine Ausreden nützten nichts und so lernte ich Boxen und Tennis spielen. Freude bereitete es mir nicht, aber ich wurde beweglicher und nach ein paar Wochen waren meine Dauerschmerzen verschwunden und ich gewann ein paar Turniere. Ich hatte Ehrgeiz entwickelt und wollte mich nicht blamieren.

Ich konnte – weil ich wollte

Ich lernte langsam wieder ein Gefühl für das richtig Maß und hörte auf übermäßig viel Nahrung in mich hineinzustopfen. Natürlich gab es immer wieder Rückfälle, nach denen ich vor Scham am liebsten weggelaufen wäre. Nach einigen Monaten hatte ich mein Eßverhalten soweit im Griff, daß ich die Klinik verlassen konnte.

Ich hatte in dieser Zeit elf Kilogramm verloren, eine Kleidergröße weniger und jede Menge Selbstbewußtsein gewonnen. Zuhause kam ich mit einem Koffer voller guter Vorsätze an und setzte das Gelernte auch sofort in die Tat um. Ich kochte jeden Tag, achtete dabei auf gesunde Zutaten und hielt mich von allem fern, was mir gefährlich werden konnte. Ich absolvierte dreimal täglich fünfunddreißig Minuten Sport. Laufen, Schwimmen und Fahrradfahren gehörten zu meinem Programm und ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben großen Spaß an der Bewegung.

Fast unbemerkt schlichen sich aber meine alten Gewohnheiten wieder ein. Ich vernachlässigte mein tägliches Sportpensum, wog meine Lebensmittel nicht mehr ab, redete mir ein, die Mengen richtig einschätzen zu können.

Schleichend nahm ich wieder zu und merkte es zunächst nicht, denn ich hatte meine Waage schon lange nicht mehr benutzt. Eines Tages dann der Schock, als ich nicht mehr in einen neuen Anzug paßte, der noch wenige Wochen vorher ganz locker saß. Ich verfiel erneut in eine Depression und dachte Tag und Nacht darüber nach, wie ich meine falschen Eßgewohnheiten in den Griff bekommen konnte.

Seit der Therapie war ich kämpferisch geworden und ich wollte mich von diesem Rückschritt nicht unterkriegen lassen. Plötzlich waren meinen Depressionen verflogen und dies nehme ich jetzt einfach vorneweg, bis heute sind sie auch nicht mehr zurückgekehrt.

Ich wußte, was ich ändern wollte. Ich kündigte meine Wohnung in der lauten Großstadt, verabschiedete mich von meinen letzten mir noch verbliebenen Freunden und Künstlerkollegen und zog mit all meinen Habseligkeiten, in ein kleines bayerisches Dorf in eine Ferienwohnung.

Hier wollte ich bleiben und mein Leben ordnen. Im Sommer 1997 richtete ich mir eine kleine Einzimmerwohnung ein und tüftelte an einer gesunden Ernährungs-und Lebensform. Es war eine Sisyphusarbeit. Ich lebte fortan mit Tabellen, Waagen, Sachbüchern, Frauenzeitschriften ect,. fuhr täglich auf Märkte und zu den Bauern, lief durch die Lebensmittelläden und Supermärkte in meiner Umgebung, um auch die neuen und exotischen Lebens-und Genußmittel kennenzulernen.

An manchen Tagen war ich abends so erschöpft, daß ich vergaß etwas zu essen!

Langsam kam meine alte Energie wieder zurück. Ich erstellte Listen und verwarf sie wieder, denn ich merkte bald, daß alles doch recht kompliziert war und sehr aufwendig in der Handhabung. Das wollte ich ändern, denn der Weg den ich beschreiten wollte, würde lang werden und ich wollte ihn mir so einfach wie möglich machen, um nicht in die Gefahr zu geraten, wieder rückfällig zu werden.

Weil zunächst alles viel zu kompliziert war, vereinfachte und probierte, verwarf und experimentierte ich, ließ Freunde und meine Schwester mein Programm testen, bis dann endlich mein Konzept fertig war, mit dem ich selbst, fast wie nebenbei, fünfzig Kilogramm abgenommen habe. In dieser Zeit, lieber Leser, wurde ich für meine gesamte Umgebung zu einer unerträglichen Nervensäge, es war mir egal, es istmir egal. Ich habe ein Ziel und diesmal ist es nicht unerreichbar.

Ich bin auch heute noch nicht bei meinem Zielgewicht angekommen, denn natürlich ging nicht immer alles so glatt wie ich es mir gewünscht hätte, aber auch in den Phasen in denen ich nicht mehr an Mengen und Inhaltstoffe oder Kalorien denken wollte und auch oft mehr gegessen habe als ich wollte, nahm ich, oh Wunder, nicht wieder zu.

Endlich hatte ich einen Weg gefunden abzunehmen ohne auf Genuß verzichten zu müssen. Bis auf wenige Ausnahmen ist bei meinem Programm alles erlaubt und erwünscht, natürlich in vernünftigen Mengen. Aber lesen Sie selbst, wie einfach es ist abzunehmen und an Lebensqualität zu gewinnen.

Für mich ist ein kleines Wunder geschehen und daran möchte ich möglichst viele Betroffene teilhaben lassen. Dieses Programm ist aber nicht nur für ganz schwere Fälle zu empfehlen, nein auch diejenigen, die nur ein paar Kilogramm abnehmen wollen, werden hier einen Weg finden ihr Gewicht zu reduzieren und danach auch halten zu können.

Um ganz sicher zu sein nicht wieder in die alten Fahrwasser zu geraten, stellte ich mein Programm als Dozentin bei der Volkshochschule vor. Schon vom ersten Kursabend an, hatte ich begeisterte Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

Die größte Hürde waren immer die ersten Minuten. Ich wußte, daß alle dachten, die ist ja selber dick, was will sie uns denn vermitteln. Dann habe ich seelenruhig einige Kleidungsstücke aus meiner, glücklich überwundenen, dicken Vergangenheit über meine Kleidung gezogen und mich so eine Weile betrachten lassen. Nachdem ich dann noch vorher/nachher Fotos gezeigt hatte, war auch der ärgste Zweifler überzeugt.

Inzwischen habe ich über 200 Kursteilnehmer betreut, viele konnten bis heute ihr Gewicht halten. Einige nahmen auch nach Beendigung des Kurses noch ab und bildeten Selbsthilfegruppen, die sich treffen. Nur wenige sprangen vorzeitig ab. Ich stehe mit vielen noch in Kontakt .

Packen Sie es an. Ihr innerer Schweinehund wird sich wehren, zeigen Sie ihm, daß Sie die Stärkeren sind und Ihr Glück in die eigenen Hände nehmen können.

Der Satz “Ich kann-weil ich will”, soll auch Ihr Leitsatz sein in eine leichtere und glücklichere Zeit.

Die Zukunft kann nur schöner werden. In einem Jahr werden Sie ein Jahr älter sein, egal ob Sie jetzt anfangen oder nicht. Deshalb packen Sie es an, noch heute, ich wünsche Ihnen viel Erfolg und ein gesünderes Nachher.

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